Wer in Deutschland Multikulti will und das auch noch im Grünen geht in den Berliner Tiergarten. Schöner und harmonischer gibt’s die Mischung in Singapur. Die Stadt am südlichsten Zipfel Malaysias ist wie eine Wundertüte: An jeder Ecke gibt es andere Kulturen, Geschichten, Architektur, die schönsten Gärten und Essen aus aller Welt zu entdecken. Wir haben in unseren ersten drei Tagen versucht, so viel wie möglich davon mitzunehmen und trotzdem entspannt zu bleiben. Und das geht in Singapur erstaunlich gut.

Die Entspannung setzt schon am Flughafen ein. Während andere Flughäfen der Welt damit glänzen, verirrte Touristen durch die Gegend zu hetzen, wurden wir in Singapur mit loungiger Hintergrundmusik, grünen Ankunftshallen und freundlichem Personal begrüßt. Funktioniert auch. Entspannt ging es in der Unterkunft weiter. Ein einfaches aber sauberes Hostel im quirligen Stadtviertel Katong. Was daran entspannt ist? Die Essenssuche. Die ist in Singapur eigentlich überall denkbar einfach. Das Menü des Abends: Wantan Nudelsuppe mit hausgemachter Limonade. Und weil das nach einer fast 24-stündigen Reise auch genug der Aktivität ist, ging es danach ins Bett.

Um nicht in zu tiefe Entspannung zu verfallen, sind Gott sei Dank genügend Touristen aus dem Reich der Mitte unterwegs. Eine Gruppe chinesischer Studenten ersetzt jeden Wecker. Den ersten Tag in Singapur konnten wir also rechtzeitig mit einem starken Kaffee starten. Der hat sicher gleich die doppelte Wirkung entfaltet, als ich ihn mit Ankunft unseres Busses herunter kippen musste. Philipp meinte, auf verschüttete Getränke im Bus steht sicher die Todesstrafe (ein Grund, warum Singapur so sauber ist).

Unser erster Stopp: Natürlich die Marina Bay mit Blick auf das Bankenviertel und das Marina Bay Sands Hotel. Die Promenade ist vor allem eins: super herausgeputzt. Ein bisschen zu sehr herausgeputzt. Diesen Eindruck haben wir bei einigen Gegenden in Singapur. Alles schick und sauber, aber auch ein bisschen künstlich.

Zum Mittagessen sind wir nach Chinatown gefahren. Philipp war vorher auf das günstigste Restaurant mit Michelin Stern gestoßen: das Liao Fan. Das liegt versteckt in einer kleinen Straße und ist vor allem für sein Soja-Hähnchen berühmt. Erwartet hatte ich irgendwie ein typisch chinesisches Restaurant, bei dem man lieber nicht in die Küche schauen will. Es war dann aber eine etwas klinische Schnellrestaurant Atmosphäre wie bei KFC. Nur mit besserem Hühnchen. Und das für umgerechnet nur 2,40€. Die Soja Sauce war tatsächlich richtig lecker. Aber umgehauen hat uns das Essen nicht. Da haben wir schon besser chinesisch gegessen.

Weiter ging’s mit Sightseeing in den Gardens by the Bay, die direkt hinter dem berühmten Marina Bay Sands Hotel liegen. Ein bisschen wie Disneyland für Hobby-Botaniker: Der Flower Dome mit den schönsten Blumen aus aller Welt (Mama, deine Hortensien sind ja schon schön, aber die…) und der Cloud Forest, in dem man auf einem von oben bis unten bewachsenen Turm inklusive Wasserfall laufen kann. Und natürlich die bekannten Super Trees, in deren künstlichen Baumkronen man über die Stadt sehen kann. Die haben wir uns am zweiten Tag auch noch im Dunkeln angeschaut. Inklusive West-Side-Story-mäßiger Lichtshow. Eigentlich ist die Stadt wie ein einziger großer Park. Überall sind die Häuserwände begrünt, es gibt ganze Dschungel auf den Dachterrassen und Balkonen, Parks und Gärten zum entspannen.

Aber nicht nur die gute CO2-Sauerstoff-Balance macht Singapur sehr angenehm. Auch das Zusammenleben verschiedenster Kulturen und Religionen. Beim Spaziergang durch die unterschiedlichen Viertel am zweiten Tag haben wir uns deshalb auch ein bisschen wie bei einem Kurztrip um die Welt gefühlt: Durch Little India mit seinen zahllosen Schmuck- und Stoffgeschäften entlang der Serangoon Road, die vielen Straßenmärkte in Chinatown, Kampong Glam mit seinen Moscheen und orientalischen Märkten, die direkt übergehen in hippe Cafés und schicke kleine Läden. Natürlich ist auch der malaysische Einfluss überall zu spüren: Im Malay Heritage Centre zum Beispiel, früher der Sitz des Sultans, der in Singapur regierte. Überbleibsel der britischen Kolonialzeit sind vor allem die schicken Bauten in der Innenstadt wie das Raffles Hotel und das Rathaus.

Anglikanische und katholische Kirchen, hinduistische und buddhistische Tempel, muslimische Moscheen, glänzende Wolkenkratzer und hippe Cafés – in Singapur scheinen alle Religionen und Kulturen ganz gut miteinander auszukommen. Warum klappt das so gut? Einmal, weil Gleichberechtigung und Integration quasi zur nationalen Identität gehören. Zur Unabhängigkeitserklärung von Singapur erklärte Gründervater Lee Kuan Yew: “Dies ist keine malayische Nation, dies ist keine chinesische Nation, dies ist keine indische Nation.” Diese drei Volksgruppen machen zwar den größten Anteil der Bevölkerung Singapurs aus. Aber was er damit eigentlich sagen wollte ist, dass Singapur eine Nation für alle ist. Und damit das auch klappt, tut der Staat einiges: Um Ghettobildung vorzubeugen und allen Bevölkerungsgruppen gleiche Chancen zu bieten, gibt es überall Quoten. Quoten beim Militär, bei Beamtenjobs, in Schulen und vor allem beim sozialen Wohnungsbau. Jede Gruppe bekommt – gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung – günstigen Wohnraum zugesprochen, den die Stadt geschaffen hat. Klar gibt es Viertel, in denen der Einfluss mancher Kulturen stärker zu spüren ist. Die sind größtenteils Überbleibsel aus der Zeit vor der Unabhängigkeit. Aber wir hatten trotzdem nie das Gefühl, durch ein Ghetto zu laufen. Vor allem, weil die Menschen überall freundlich und aufgeschlossen sind. Egal wohin man kommt und egal wie man aussieht.

Die Stadt hat uns auf jeden Fall begeistert. Wir freuen uns jetzt schon drauf, während unserer Reise immer mal wieder einen Zwischenstopp in Singapur einzulegen. Jetzt geht’s erstmal mit dem Bus nach Kuala Lumpur.