In Jogja – wie die Stadt im Süden Javas kurz genannt wird – kann man eigentlich eine ganze Woche bleiben. Neben den beiden berühmten Tempeln Borobudur und Prambanan und vielen guten Restaurants und Cafés gibt es um die Stadt herum noch tolle Höhlen und Strände. Die Qual der Wahl also – und ein bisschen Entspannung muss ja auch drin sein bei dem Stress.

Buddhistischer Größenwahn und die hinduistische Antwort

Wie muss sich der niederländische Ingenieur 1814 wohl gefühlt haben, der im Auftrag der britischen Kolonialbesatzung durch den Dschungel um Jogja gestreift ist, auf der Jagd nach einer alten Volkslegende? Nach dieser sollte in den dichten Wäldern ein riesiger Tempel verschollen sein, versteckt unter Palmen und Lianen und wahrscheinlich das Zuhause von King Louie. Und wie muss das gewesen sein, als er dann tatsächlich das enorme Bauwerk fand, das heute bekannt ist als der größte buddhistische Tempel der Welt? Wahrscheinlich ganz anders als wir heute, nachdem wir für das Vierfache des Eintrittspreises, den Indonesier zahlen, mit den Besucherströmen durch den künstlich angelegten Park unter der typisch indonesischen Wochenend-Musik-Beschallung zu dem heiligen Bauwerk geschoben wurden. Da erscheint der Vorschlag der UNESCO, die seit 1968 Millionen für die Restaurierung des vergessenen und heruntergekommenen Tempels gespendet haben, nur noch kleinen Gruppen den Zugang zu ermöglichen, gar nicht so unsinnig. Denn der Tempel wird nach wie vor restauriert. Nach Eruptionen des nahegelegenen Mount Merapi 2010 waren Archeologen erst damit beschäftigt, die tausenden in Stein gemeißelten Bilder, die den Tempel zieren, wieder freizulegen. Jetzt versuchen sie, den Schaden, den die Besuchermassen anrichten, zu begrenzen.

Trotz seiner Größe sind das eigentlich Beeindruckende die vielen Details, die jede Etage bis hoch zur Hauptstupa schmücken. In Stein gemeißelte Kunstwerke, die vielleicht die lange Bauzeit von angeblich 75 Jahren erklären.

Die hinduistische Tempelanlage Prambanan ist wohl zur gleichen Zeit entstanden wie Borobudur. Ein Kräftemessen der Religionen? Wer baut das Größte? Eher nicht. Die beiden damals größten Religionen haben angeblich friedlich kooexistiert in Java, bis sie im 15. Jahrhundert vom Islam abgelöst wurden. Leider ist von Prambanan nach einem Erdbeben 2006 nicht mehr so viel übrig. Viele der kleineren Tempel sind zerstört und warten noch auf ihren Wiederaufbau.

Höhlenforscher

Jetzt heißt es erstmal für ein paar Tage: Tempelpause! Und die haben wir am nächsten Tag mit einer Rollertour zu den “nahegelegenen” Kalisuci Höhlen eingelegt. Nahe heißt auf indonesisch leider zwei Stunden Hintern blau sitzen auf dem Roller. Begleitet wurden wir von Adjung und Vani, die wir schon in Bandung getroffen haben und die uns seitdem immer wieder gute Tipps gegeben haben und mit uns in Jogja unterwegs waren. Mit einer Sicherheitsausstattung als würden wir unbekannte Höhlen in Mexiko erforschen, hat sich unsere kleine Gruppe auf Reifen durch die Höhlen treiben lassen. Eine wirklich schöne Abwechslung zu der anstrengenden Sightseeingtour am Vortag. Überhaupt soll die Natur Javas in den nächsten Tagen mehr im Vordergrund stehen. Wenn wir nämlich zwei der bekanntesten Vulkane besteigen, die die Insel prägen.