Oma, wenn du das hier liest, dann sind wir heil aus zwei der aktivsten Vulkane Javas wieder herausgekommen. Ganz zum Erdkern sind wir vielleicht nicht vorgestoßen. Aber es hat unter uns kräftig gebrodelt und gedampft. Ein absolut eindrucksvolles Naturschauspiel und unser Java Highlight.

Es brodelt im Mount Bromo

Um den Bromo in seiner ganzen Schönheit bewundern zu können, muss man früh los: halb drei morgens von Probolinggo aus. Nach 1,5 Stunden Autofahrt und einer halben Stunde steilem Aufstieg gab es dann erstmal einen spektakulären Sonnenaufgang für uns – mit Blick auf den Mount Bromo (links im Bild der “kleinste” der drei Berge) und den dahinter liegenden Mount Semeru, einem der aktivsten Vulkane der Welt. Aus der Ferne konnten wir sogar die Lava den Berg herunter fließen sehen. Auch nach Sonnenaufgang ist die Ascheebene um den Bromo herum ein Anblick, von dem wir gar nicht genug bekommen konnten. Ein paar Kilometer vor dem Berg ist alles üppig grün, jeder Quadratmeter wird für die Landwirtschaft genutzt. Und dann nur noch Asche.

Als unser Jeep über das Aschefeld geholpert ist, haben wir uns vorgestellt wir säßen im Marsrover. Eine unwirkliche Landschaft durchzogen von erkalteten Lavaströmen. Was ich anfänglich für den entfernten Lärm von Flugzeugen gehalten habe, stellte sich nach einer kurzen Wanderung zum Kraterrand als das beängstigende Grollen des Vulkans heraus. Am Kraterrand (Ja, man kann bis ganz an den Rand gehen und in den qualmenden, stinkenden Schlund schauen. Ausblick schlägt Sicherheitsbedenken.) ist das Grollen so laut, als würde man hinter einem startenden Flugzeug stehen. Und wir konnten die Vulkanaktivität auch spüren: Das Vibrieren des Berges geht durch den ganzen Körper. Im Krater selbst sieht man vor allem Schwefelablagerungen und aufsteigende Dämpfe, keine Lava. Ein insgesamt genauso beeindruckendes wie beängstigendes Erlebnis.

Chemiestunde am Mount Ijen – Schwefeldämpfe, blaues Feuer und das größte Säurefass der Welt

Ein weiterer Vulkan, auf dem Besichtigungstouren möglich und nicht allzu gefährlich sind, ist der Mount Ijen. Der Vulkan im Osten Javas ist bekannt für seine Schwefelarbeiter – der wohl härteste Job der Welt. Die Minenarbeiter sammeln im Krater abgekühltes Schwefel und tragen die bis zu 100 kg schweren Brocken auf den Schultern zum Kraterrand hoch – jede Nacht bis zu vier Mal und ohne jeden Atemschutz.

Aber zum Anfang. Um zum Ijen Krater zu kommen, ging es wieder früh los, diesmal schon um Mitternacht. Die Wanderung hoch zum Kraterrand ist nicht unbedingt etwas, das man ohne Schlaf machen möchte, aber der steile Weg lohnt sich. Oben angekommen durften wir den wunderschönen Sternenhimmel bewundern. Eine erste kleine Belohnung für den harten Weg. Die Idylle wird leider gestört vom beißenden Schwefelgeruch. Unser Guide Deoh hat deshalb Atemschutzmasken dabei. Die sind nichts für Leute mit Asthma, aber alles ist besser als der Gestank. Der weitere Weg führt 200 Meter steil in den Krater und ich bin auf der steinigen Kletterpartie ganz froh um die schlechte Sicht. Hätte ich gesehen, wie tief es neben uns runter geht, wäre ich wohl nicht gegangen. Uns kommen immer wieder die schnaufenden Schwefelarbeiter entgegen, die den Rohstoff in einfachen Körben den mühsamen Weg hochschleppen. Unten im Krater konnten wir ihnen bei der Arbeit zusehen: wie sie die gelben Brocken vom Berg abschlagen und zerkleinern. Und das alles ohne jeden Schutz im beißenden Schwefeldampf und direkt neben den blauen Flammen. Die sind ein weiterer Grund, warum der Ijen ein so beliebtes Ausflugsziel ist. Wenn sich die Schwefeldämpfe entzünden, erzeugen sie wunderschöne blaue Flammen, die überall, wo das Gas austritt, im Krater züngeln. Ein weltweit einmaliges Phänomen. Das Schauspiel durften wir uns nur für 15 Minuten anschauen, länger sollte man sich trotz Atemschutz nicht in den Dämpfen aufhalten (gilt natürlich nicht für die Arbeiter, die anscheinend immun sind). Wegen der blauen Flammen haben wir die Tour auch nachts gemacht. Und, weil tagsüber der Berg gesperrt wird – dann dampft es nämlich erst richtig und auch die Minenarbeiter legen ihre Arbeit nieder.

Wir haben uns natürlich gefragt: Warum tun die sich so einen Job an? Und warum bitte tragen die Minenarbeiter keinen Atemschutz. Die Antworten auf diese Fragen sind so unbefriedigend wie eine halbe Tafel Schokolade. Sie machen den Job, weil sie das eben schon seit Generationen so machen. Obwohl sie für ein mühsam abgebautes Kilo Schwefel gerade einmal 900 Rupiah verdienen. Das sind umgerechnet ungefähr 6 Cent. Was das Ganze noch sinnloser erscheinen lässt: Heute fällt Schwefel in großen Mengen als Abfallprodukt bei der Produktion von Erdgasen und Erdöl an. Eigentlich bräuchte also niemand die mühsam gewonnen Brocken, aber weil sie so billig sind, verkaufen sie sich dennoch. Die Antwort auf die zweite Frage ist mindestens genauso sinnlos. Unser Guide Deoh hat die Minenarbeiter gefragt, warum sie ohne Atemschutz jede Nacht die Schwefeldämpfe ertragen. Ihre Antwort: die Maske nervt. Naja gut, der älteste Arbeiter ist über 70 Jahre alt. Vielleicht ist Schwefel ja der unterschätzte Jungbrunnen.

Nach der Kratertour war es auch schon Zeit für den Sonnenaufgang. Wetterbedingt nicht ganz so atemberaubend wie am Bromo. Dafür hat uns die riesige Schwefelwolke, die aus dem Krater hinter uns aufgestiegen ist, den Atem genommen und die Tränen in die Augen getrieben. Die Wolke hat den Blick freigegeben auf den Kawah Ijen, den Kratersee, der uns im Dunkeln noch verborgen war und der als das größte Säurefass der Welt bezeichnet wird. Baden ist im bis zu 48 Grad warmen Wasser also nicht empfehlenswert.

Zwei aktive Vulkane im wahrsten Sinne des Wortes hautnah zu erleben, war jede Anstrengung der nächtlichen Wanderungen wert. Geht man wie wir mit einem erfahrenen Guide in den Krater des Mount Ijen, muss man sich auch eigentlich keine Sorgen machen. Die Guides wissen, wann es zu gefährlich wird und neuerdings gibt es sogar ein Frühwarnsystem der Regierung. Immer am Zeiger der Zeit hier in Indonesien.