Die Gemeinsamkeiten sind unverkennbar: die Bewegungen, der Gesichtsausdruck und der Umgang untereinander. Die Unterschiede natürlich auch: Die einen sind sehr clever und haarig, die anderen verhalten sich in Gruppen äußerst eigenartig und sind abhängig vom virtuellen Daumen ihrer Artgenossen. Unsere Dschungel Wanderung zu den Orang Utans auf Sumatra war wirklich in jeder Hinsicht ein Erlebnis.

Bukit Lawang – das Tor zum Dschungel

Der kleine Ort Bukit Lawang ist wortwörtlich das Tor zum Dschungel. Von dem ist auf Sumatra im Westen Indonesiens nicht mehr viel übrig. Über 60 Kilometer erstrecken sich von Medan, der Hauptstadt der Insel, bis zu den Bergen die Palmöl und Latex Plantagen, die unseren haarigen Verwandten den Lebensraum kosten. Der kleine Ort ist die letzte Station vor dem Gunung Leuser Nationalpark, in dem wir am nächsten Tag wilde Orang Utans finden wollten. Der Nationalpark gehört mittlerweile zum Unesco Welterbe und wird als Lebensraum für viele bedrohte Arten geschützt: Orang Utans, das Sumatra Nashorn, Elefanten und den Sumatra Tiger. Bukit Lawang lebt vom Tourismus in den Nationalpark und besteht entsprechend nur aus Gästehäusern und Restaurants, die den Fluss säumen. Die Atmosphäre ist wunderbar entspannt – man kann im Fluss baden, der direkt aus den Bergen kommt, oder sich in einem der vielen kleinen Cafés mit anderen Reisenden austauschen.

Aufbruch in den Dschungel

Um 9 Uhr ging es am nächsten Morgen von der Terrasse unseres Hostels los. Mit zwei Guides, einem anderen deutschen Pärchen und vier Franzosen sind wir in den Dschungel gewandert. Steil bergauf, bergab, bei tropischer Hitze. Wir weißen Softies waren natürlich nach einer halben Stunde völlig durchgeschwitzt und aus der Puste. Wir müssen ein seltsames Bild abgegeben haben für die Orang Utan Familie, die plötzlich über unseren Köpfen hing. Eine Mama und ihre zwei Kleinen. Hoch in den Baumkronen konnten wir immer wieder ihr leuchtend oranges Fell durchblitzen sehen. So richtig nah sind wir aber erst dem nächsten Affen gekommen. Ein beeindruckend großes Männchen, das plötzlich vom Baum herunter gesprungen kam und uns misstrauisch gegenüber stand. Eine respekteinflößende Erscheinung! Auch die Guides wurden etwas nervös und haben uns bei der kleinsten Bewegung des Tieres zurück geschickt. Kein Wunder, bei den vielen Gruppen, die sich mittlerweile um das Tier herum positioniert hatten und ihr Blitzlichtgewitter losließen. Manchmal haben wir uns gefragt, ob die Leute das Tier überhaupt ohne ihre Kameralinse gesehen haben. Denn es ist schon etwas ganz besonderes, einem frei lebenden Orang Utan direkt in die Augen zu sehen. Irgendwie ein bisschen fragend hat er ausgesehen. Wir hätten das Tier stundenlang beobachten können, aber irgendwann muss man ihm ja auch seine Ruhe gönnen.

Und die nächsten Gelegenheiten, die Affen aus nächster Nähe zu betrachten, ließen auch nicht lang auf sich warten. Nach einer kurzen Mittagspause mit gebratenem Reis und leckerem Obst sind wir Mina begegnet. Einer berühmt berüchtigten Affendame. Sie ist dafür bekannt, Gruppen nur passieren zu lassen, wenn die Guides sie dafür mit Früchten füttern (und die müssen sie ihr in die Hand geben, nicht einfach hinwerfen. Auch Affen kennen das Konzept von Respekt). Eine sehr clevere Mama! An ihrem Gesicht konnte man schon ein bisschen ablesen, dass mit ihr nicht zu spaßen ist – sie hatte einen ganz schön grimmigen Ausdruck.

Das komplette Gegenteil von Mina ist Jackie. Eine freundliche Affendame, die die Touristen auch gern mal umarmt. Jackie gehört zu den ausgewilderten Orang Utans, die entweder in einer Pflegestation geboren oder aufgepäppelt wurden. Sie ist an Menschen gewöhnt und lässt sogar ihr kleinstes Baby ganz nah an die Menschen heran. Wie zutraulich sie ist hat Philipp am eigenen Leib erfahren. Eigentlich wollte er im Hintergrund nur ein Foto von ihr machen. Da hat sie auf einmal seine Hand genommen und wollte ihn auch gar nicht mehr loslassen (vermutlich, weil seine Hände noch so lecker nach dem Mittagessen geduftet haben). Die Begegnung mit Jackie und ihren beiden Kleinen hat uns aber auch die Illusion genommen, dass die meisten Besucher echtes Interesse am Schutz der Tiere und ihrer Umgebung haben. Sobald das Selfie geschossen war, wurde es direkt auf Instagram gepostet (keine Ahnung wie die im Dschungel Empfang hatten), die Tiere waren dann uninteressant. Wir haben uns nur noch geschämt für unsere Spezies und den Tumult im Hintergrund fassungslos beobachtet. Auch die Guides tragen nicht wirklich dazu bei, die nervösen und lauten Besucher zu beruhigen. Den meisten scheint es völlig egal zu sein. Nur gut, dass die Affen einen ganzen Wald als Rückzugsort haben, sollten sie mal keine Lust auf den Touri-Trubel haben.

Alles in allem waren die Begegnungen mit frei lebenden Orang Utans unvergesslich und beeindruckend – trotz verrückter Touristen. Wie sich die Affen zwischen den Bäumen hin und her schwingen – das ist ein unglaublich erfüllendes Erlebnis. Vor allem wenn man merkt, wie ähnlich sie uns sind in ihren Bewegungen und ihrer Mimik.

Eine Nacht im Dschungel

Zum Abschluss der Wanderung ging es nochmal richtig steil bergab in unser Nachtlager. Das Camp am Fluss bestand aus mehreren Hütten, die alle mit Moskitonetzen und Matratzen ausgestattet waren. Nach der anstrengenden Wanderungen konnten wir uns erstmal im Fluss abkühlen. Und unsere Guides haben sich super um uns gekümmert: Es gab Tee, ein reichliches und leckeres Abendessen und danach haben wir alle zusammen bei Kerzenschein am Fluss gesessen, erzählt und Spiele gespielt, bis wir alle todmüde ins Bett gefallen sind. Die Nacht war – naja – erwartungsgemäß unruhig. Wir haben alle nicht wirklich viel geschlafen, aber immerhin habe ich keine Spinne gesehen.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging’s zurück nach Bukit Lawang. Diesmal nicht über den beschwerlichen Weg durch den Wald. Sondern im Reifen den Fluss runter. Unsere Sachen wurden in Plastiksäcken auf die Reifen gebunden und wir mussten uns nur reinlegen und die Stromschnellen runter sausen. Der perfekte Abschluss für die zweitägige Tour!