Tempel besichtigen, essen gehen, am Pool relaxen – und wieder Tempel besichtigen. Das Programm in Bagan klingt ein bisschen einseitig, ist es aber ganz und gar nicht. Fast fünf Tage haben wir in den Pagodenfeldern verbracht und langweilig wurde es da sicher nicht. Denn die unzähligen Tempel und Stupas wollen alle besichtigt werden, die Restaurants in Bagan alle getestet und der Hotelpool samt Bar soll sich ja auch nicht vernachlässigt fühlen. Das Leben kann schon stressig sein.

Wohl kaum ein Tourist, der Myanmar besucht, kommt nicht nach Bagan. Die Pagodenfelder sind das Highlight des Landes und weltweit einzigartig. Entsprechend bestehen die drei Orte Alt und Neu Bagan und Nyaung U, die in der Nähe der Pagoden liegen, hauptsächlich aus Hotels, Restaurants und Souvenirshops. Da wir aber in der Nebensaison unterwegs sind, ist alles ganz entspannt. In vielen Pagoden waren wir ganz allein, die Hotels sind super günstig und in den Restaurants ist immer ein Platz frei.

Unser tägliches Programm war fast schon zeremoniell: um 5 Uhr morgens ging es mit dem Roller zu den Pagoden, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Danach entspannen im Hotel, sonnen am Pool. Gegen Nachmittag wieder mit dem Roller zu den Pagoden. Und natürlich die Sonnenuntergänge als krönender Abschluss. Etwas anderes kann man in Bagan auch eigentlich nicht machen. Langweilig wird’s trotzdem nicht. Denn es gibt so unglaublich viele Pagoden, dass man dafür schon ein paar Tage braucht (vor allem wenn man sich während der Mittgshitze nicht vom Pool wegbewegen möchte, denn die Temperaturen liegen bei 32 bis 37 Grad im Schatten). Und eine ist schöner als die andere. Die Shwezigon Pagode, die Gawdaw Palin und Dhammayan Gyi Pagoden, den Sulamani und That Bin Nyu Tempel. Um nur einige große zu nennen. Dazwischen liegen natürlich noch tausende kleiner Pagoden und Tempel, die mehr oder weniger gut erhalten sind. Manche konnten wir in stiller Einsamkeit genießen (und dort auch endlich mal in Ruhe die Drohne fliegen). Die größeren warenbesser besucht. Aber wie in fast allen religiösen Stätten, färben auch in den Tempeln und Pagoden die Ruhe und ehrfürchtige Stimmung auf die Besucher ab. Die Touren können wir getrost als das meditativste Sightseeing bezeichnen, das wir je gemacht haben.

Nicht nur die Besichtigung der Tempel hat dazu beigetragen. Die Fahrt mit dem Elektro-Roller abseits der Hauptstraßen hat auch etwas entrücktes und mystisches. Überall die wunderschönen, manchmal etwas verfallenen Pagoden in allen Größen. Auf vielen Wegen waren wir ganz allein. Ein E-Roller ist dafür auch das beste Fortbewegungsmittel, weil er die wunderbare Ruhe der Pagodenfelder nicht stört (oder ein Fahrrad, aber mal im Ernst: Wer will bei der Hitze schon über die holprigen, sandigen Wege radeln? Daniel, es ist uns wirklich ein Rätsel, wie du das gemacht hast!).

Das einzige, was diese Stimmung etwas stört, sind die Souvenirverkäufer. Am Eingang einiger Pagoden warten Frauen und Männer, die uns ihre Malereien und Kunsthandwerke verkaufen, oder ihre Dienste als Reiseführer anbieten wollen (die sind oft darauf beschränkt, uns mit der Taschenlampe durch einen Tempel zu leuchten). Die meisten lassen sich freundlich abwimmeln, andere hat man etwas länger an der Backe. Wir konnten dafür aber meistens Verständnis aufbringen, da die Gegend nun mal einzig vom Tourismus lebt und die Menschen so wahnsinnig freundlich sind, dass wir ihnen auch ein bisschen Aufdringlichkeit verzeihen können.

Wenn wir mal nicht mit dem Roller zu den Pagoden gedüst sind oder am Pool gedöst haben, waren wir essen. Die Restaurants und Bars in Bagan und Nyaung U sind so zahlreich wie grandios. Erwartet hatten wir hier irgendwie touristische Abzocke inklusive schlechtem, überteuertem Essen. Das absolute Gegenteil ist der Fall. Das Essen ist überall spitze, der Service einfach grandios. Vor allem in den kleineren Läden abseits der Hauptstraße lässt es sich richtig gut und günstig essen.

Mit den neuen Touristenströmen fließt nun auch dringend benötigtes Geld in die Kasse. Und deshalb ist Nebensaison in Bagan Restaurationszeit. Vor allem die größeren Pagoden waren in Gerüste gehüllt. Immerhin bestehen die meisten von ihnen schon seit dem 12. Jahrhundert und wurden lange Zeit schwer vernachlässigt. Das schwere Erdbeben vor einem Jahr hat sein Übriges getan. Die Arbeiten haben uns aber nur wenig gestört. Sie werden nicht gleichzeitig an allen Pagoden durchgeführt und oft nur an den goldenen Spitzen (hti auf burmesisch, was so viel heißt wie Schirm).

Es ist jetzt schon absehbar, dass sie Gegend in den kommenden Jahren noch beliebter werden wird. Ob die großartige Stimmung dieser einzigartigen Landschaft erhalten bleibt liegt an den Menschen hier und der Regierung. Wir hoffen, dass die historische und kulturelle Bedeutung von Bagan geschützt und nicht ausgeplündert wird.

Regenzeit ist Reisezeit

Ein kurzer Nachtrag noch zur berühmten Regensaison, von der fast jeder Reiseführer und Blog als Reisezeit abrät. Wir sind jetzt seit vier Tagen in Bagan, davon hat es an einem geregnet. Gut, das ist nicht schön, aber auch ziemlich vertretbar. Und wenn wir uns die vielen Hotels so ansehen, die hier jede Straße säumen, wollten wir uns gar nicht vorstellen, wie es hier in der Hauptsaison zugeht. Bagan liegt außerdem schon am Rand der süd-westlichen Monsun Zone und bleibt damit sowieso von den größten Stürmen verschont. Uns hat die Regenzeit bisher jedenfalls nicht sehr eingeschränkt. Und die Einheimischen lassen sich von ein paar überschwemmten Straßen auch nicht aus der Ruhe bringen.